| PROLOG |
Der Raum lag tief unter der Erde. Feuchte Kälte kroch aus den Steinquadern des alten Gewölbes und legte sich wie ein schwerer Atem auf Haut und Kleidung. Die Mauern wirkten roh und uneben; Jahrzehnte hatten ihre Spuren im Gestein hinterlassen. Ein Geruch aus Staub, nassem Kalk und altem Holz hing in der Luft, während irgendwo im Dunkel Wasser in langsamen Tropfen auf den Boden fiel. Jeder einzelne Laut wanderte durch das Gewölbe und verlor sich erst nach langen Sekunden. In der Mitte stand ein alter Holztisch mit tiefen Kerben und ausgefransten Kanten, auf dem ein Tonbandgerät thronte. Zwei große Spulen drehten sich gleichmäßig, das kleine rote Licht auf der Front glühte stetig.
Dr. Markus Feldmann saß davor auf einem einfachen Holzstuhl, zusammengesunken, als hätten die Jahre ihn langsam nach unten gedrückt. Sein Rücken war gekrümmt, die Hände lagen gefesselt hinter der Stuhllehne, während seine dünnen Finger über das raue Holz tasteten, auf der Suche nach Halt, den sie nicht fanden. Ein Zittern lief durch seine Hände und wanderte in die Schultern, wo sich blasse Haut über knochige Gelenke spannte. Sein Atem ging kurz und flach unter dem groben Sack, der seinen Kopf bedeckte und sich gegen Mund und Nase presste. Jeder Atemzug brachte den Geruch von Staub und feuchtem Gewebe in seine Lungen. Er rang nach Luft, seine Brust hob und senkte sich hastig.
Schritte hinter ihm kündigten die Veränderung an, bevor eine Hand nach dem Sack griff und ihn nach oben riss. Feldmann blinzelte in das schwache Licht. Graue Haarsträhnen klebten an seiner Stirn, sein Gesicht wirkte eingefallen und fahl. Die Lippen waren aufgesprungen, ein feiner Riss zog sich durch die Unterlippe, und als seine Zunge darüberfuhr, schmeckte er Metall. Seine Augen tasteten die Umgebung ab, fahrig und suchend, als könnte irgendwo eine Erklärung stehen, doch sein Blick blieb am Tonbandgerät hängen. Die Spulen drehten sich, das rote Licht brannte, und sein Kehlkopf hob sich in einem harten Schlucken, bevor sein Unterkiefer zu beben begann.
„Wo … wo bin ich hier?“, krächzte er. Seine Stimme klang rau und brüchig, während sein Blick über die feuchten Mauern und das niedrige Gewölbe glitt. „Was soll das? Was soll das Ganze hier?“ Nur das gleichmäßige Surren der Spulen erfüllte die Stille. Er zog an den Fesseln, der Stuhl knarrte unter seinem Gewicht, und die Bewegung ließ seine Schultern erzittern. „Hör zu“, presste er hervor, sein Atem ging nun schneller, „du machst einen Fehler.“
Eine Bewegung hinter ihm ließ ihn erstarren; sein Atem stockte, als sich langsam eine Gestalt aus dem Schatten löste. Dunkle Kleidung lag eng am Körper, als hätte das Licht keinen Halt auf dem Stoff gefunden, und eine schwarze Mütze war tief über die Stirn gezogen. Der Mann trat mit ruhigen, sicheren Schritten an den Tisch. Seine Hand griff nach dem Mikrofon, ein Finger glitt über die Taste des Geräts. Ein leises Klicken folgte, die Spulen begannen schneller zu laufen. Die Gestalt hob das Mikrofon an, hielt es einen Moment vor den eigenen Mund und sprach mit einer tiefen, ruhigen Stimme: „Die letzte Aufnahme.“
Das Band surrte weiter, während das Mikrofon nun wieder so nah vor Feldmann stand, dass sein Atem das kleine Gitter streifte. Der Mann beugte sich zu ihm hinunter; Feldmann spürte den warmen, kontrollierten Atem an seinem Ohr. Ein leises Flüstern löste sich aus der Dunkelheit: „Jetzt sprichst du.“ Feldmanns Blick blieb am roten Licht hängen. Sein Mund öffnete sich, doch kein Laut kam heraus. Nur sein Atem ging weiter, während irgendwo im Gewölbe wieder ein Tropfen Wasser auf den Stein fiel und das Tonband unerbittlich lief.

