Autor: Iso Weber

  • Leseprobe aus Apokalypse I – Ruinen der Hölle

    Leseprobe aus Apokalypse I – Ruinen der Hölle

    Kapitel: Wo die Entscheidung schläft
    Ort: Ein Feldlager nahe der Ruinen Jerusalems – Louis’ Hauptquartier

    Kurz vor Mitternacht hielt die Welt den Atem an. Über den zerschundenen Zelten lag ein Wind, der keinen Sand trug, sondern Erinnerung – schwer, elektrisch, voller unausgesprochener Dinge. Selbst die Dämonen wagten nicht zu schlafen.

    Louis saß auf einem Felsen, das Schwert seiner Vorfahren quer über den Knien. Die Klinge war stumpf vom letzten Gefecht, doch in ihr pochte noch das Echo vergangener Kriege. Sein Blick ruhte auf dem schwarzen Saum der Berge, wo der Himmel dunkler war als das Herz eines vergessenen Gottes. Nicht weit von ihm stand Lucifer, schweigend, wach. Das Glimmen seiner Pupillen erinnerte an ein Feuer, das nicht mehr wärmen will, sondern wartet.

    In der Ferne schlief Syra unruhig unter einem notdürftigen Baldachin. Der Wind spielte mit ihren Haaren, als wolle er die Narben auf ihrer Haut leugnen. Asmodeus führte lautlos die Nachtwachen an – ein Schatten unter Schatten. Von Lilith und Kael fehlte jede Spur.

    Doch Louis spürte es zuerst.
    Die Verwerfung.

    Kein Geräusch, kein Licht. Nur ein plötzliches Fehlen.
    Nicht in der Luft. Nicht im Boden. In der Ordnung selbst.
    Ein Augenblick, in dem selbst das Schweigen zu laut war.

    Dann trat sie hervor.
    Nicht begleitet von Glanz oder Donner, sondern aus dem, was geschieht, wenn eine Wahrheit sichtbar werden will.

    Lyrielle.

    Sie trat aus dem Riss wie ein Gedanke, den niemand hatte denken wollen, der aber schon immer da gewesen war. Ihr Gang trug keine Macht, nur eine erschütternde Klarheit. Ihre Augen sahen – und erinnerten.

    „Vater.“

    Louis wich zurück, nicht aus Angst, sondern weil etwas in ihm zu atmen vergaß. „Was hast du gesehen?“, fragte er.

    „Nicht was. Sondern wer.“
    Sie hob den Blick. „Atherion.“

    Lucifers Gestalt flackerte, ein kaum merkliches Zucken, als hätte ihn ein vergessenes Echo berührt. „Er lebt?“

    „Er kommt. Nicht als Zerstörer. Nicht als Retter. Sondern als Richter. Xavur war nur der Schatten. Der erste Riss.“

    Louis’ Blick blieb fest. „Er hat mich gesehen?“

    „Mehr als das. Er hat gewartet. Auf dich. Auf den Moment, in dem du den Stab berührst. Aber wenn du ihn zu früh annimmst, zerbricht alles.“

    Lucifer trat näher. „Wir haben keine Zeit für Zweifel. Xavur rückt vor. Die Menschheit steht vor dem Fall.“

    Lyrielles Stimme blieb ruhig. „Wenn du ihn nimmst, bevor du weißt, wer du bist, wirst du nicht nur uns alle mitreißen. Du wirst das Gleichgewicht selbst zerstören.“

    Ein anderer Wind erhob sich. Kein Sturm – ein Ruf. Nicht aus Raum oder Zeit, sondern aus jenem Zwischen, in dem alles möglich war.

    Louis schloss die Augen. Das Schwert in seiner Hand fühlte sich fremd an, schwer wie ein Urteil, das noch ausstand. „Dann werde ich warten“, sagte er.

    Lyrielle legte die Hand auf seinen Unterarm. „Er wird dich nicht bitten“, flüsterte sie. „Er wird dich prüfen.“

    Lucifer wandte sich ab. Der Schatten seiner Flügel fiel über das Feuer wie das Fragment eines gestürzten Engels. Und über dem Lager schwieg der Himmel.
    Doch jeder, der noch wach war, wusste:
    Die Zeit war zerbrochen.
    Und sie würde nicht zurückkehren.


    Lese weiter in: Der Schwur der Letzten
    Dort, wo die Letzten unter schwarzem Himmel zusammentreten – Engel, Dämonen und Menschen – und Louis die Virga Caelorum zum ersten Mal in Händen hält.
    Doch noch bevor er sie erhebt, wartet die letzte Prüfung: Erinnerung.
    Und in der Tiefe der Zeit – regt sich etwas, das nicht Leben ist.
    Etwas, das ihn kennt.

  • Lillith – die erste Frau die Nein sagte

    Lillith – die erste Frau die Nein sagte

    Die erste Frau Adams, aus dem gleichen Staub geformt, nicht aus seiner Rippe. Sie wollte neben ihm stehen, nicht unter ihm liegen. Als Adam das nicht ertrug, ging sie. Kein Sturz, kein Fall – ein Schritt.

    Sie wählte Lucifer, nicht aus Liebe zum Dunkel, sondern weil er ihr Spiegel war: ein Wesen, das Nein sagte zu einer Ordnung, die nur eine Seite kannte. Zusammen brannten sie, bis selbst die Engel verstummten. Doch Lilith blieb nie, wo Macht begann, Besitz zu fordern. Sie verließ auch Lucifer – nicht aus Trotz, sondern weil Freiheit für sie nie an jemanden gebunden war.

    Lilith ist kein Dämon, keine Verführerin, keine Legende.
    Sie ist das uralte Echo des Wortes Nein, gesprochen mit ruhiger Stimme, als die Welt noch glaubte, Gehorsam sei göttlich.

    In Apokalypse 1 trägt sie diesen Funken weiter – nicht gegen den Himmel, nicht mit der Hölle, sondern für den eigenen Weg.

    Sie war die Erste, die ging, bevor jemand ihr sagte, dass sie fallen würde.

  • Ruinen der Hölle – Das Manuskript ist vollendet!

    Ruinen der Hölle – Das Manuskript ist vollendet!

    Die Arbeit an Ruinen der Hölle war mehr als eine Abfolge von Kapiteln. Es war eine Reise durch Lärm und Stille, durch Stimmen, die lange nur als Flüstern existierten. Szenen, die am Anfang nur schemenhaft waren, wurden zu Räumen mit Atem, zu Konstellationen von Schmerzen, Entscheidungen und Echo. Beim Schreiben haben Figuren Formen angenommen, die ich nicht einfach dirigiert habe. Sie haben verlangt, gehört zu werden. Das Endprodukt trägt diese Forderung. Es ist roh genug, um zu brennen, und gefasst genug, um gelesen zu werden.

    Wie fühlte sich das Fertigstellen an? Es war ein Wechsel aus Erleichterung und Vorsicht. Erleichterung, weil ein Knoten sich löste und ein langer Weg sichtbar wurde. Vorsicht, weil ein Gewebe, das einmal offenliegt, auch gezeigt werden will mit Respekt vor seiner eigenen Fragilität. Technisch bedeutete das Fixieren von Texten: letzte Szenen polieren, Inkonsistenzen glätten, Bildfolgen stimmig setzen, Namen und Orte auf gleiche Weise tragen lassen. Literarisch bedeutete es, dem Werk Raum zu geben, ohne ihm etwas wegzunehmen, das es erst stark macht.

  • Eliras Welt

    Eliras Welt

    Ein Blick in die Welt von Chroniken einer Seelenweberin

    Es gibt Welten, die sich nicht durch Mauern ordnen lassen. Aendora ist eine davon.
    Hier verlaufen Grenzen nicht aus Stein, sondern in Atem, Erinnerung und Blut. Alles, was verbindet oder trennt, fließt unsichtbar durch die Linien – jene uralten Fäden, die Schicksal, Herkunft und Wahrheit miteinander verweben.

    Was einst ein Ganzes war, ist nun zersplittert: sieben Reiche, sieben Muster, sieben Wege.


    Velmora – das Reich des Blutes

    Dunkle Erde, durchdrungen von Geschichte, Schuld und den Stimmen der Toten. Die Linien hier sind rot, schwer, riechen nach Eisen, Haut und Wurzeln. Familie ist kein Versprechen, sondern Gesetz – eingebrannt mit dem ersten Atemzug. Wer das Band verlässt, verliert nicht nur seinen Namen, sondern den Platz im innersten Kreis.
    Elira wurde hier geboren. Sie ging. Ob aus eigenem Willen oder durch fremde Hand – niemand weiß es.


    Solven – das Reich der Götterlosen

    Still. Grau. Die Linien stumpf wie ausgebrannte Adern. Kontrolle herrscht über Verbindung, Vertrauen gilt als Schwäche. Kinder lernen nicht zu singen, sondern zu löschen. Und doch – manchmal, tief in den Ritzen der Ordnung, zuckt ein Funke.
    Widerstand, flüstern einige. Hoffnung, murmeln andere.


    Khalien – das seelenlose Kaiserreich

    Ein Reich aus Stahl, Glas und Zahlen. Hier ist alles messbar – selbst der Mensch. Magie gilt als Störung, Empathie als Fehler. Die Linien sind nicht tot, nur vergraben. Tief unter der Hauptstadt dreht sich ein verbotenes Rad – ein uraltes Webwerk, das noch immer die Vergangenheit atmen lässt.


    Tir’nalae – das Land der Lieder

    Sanft. Wie Klang im Nebel. Hier werden Linien nicht gewebt, sondern gesungen. Jedes Kind erhält bei der Geburt ein Lied, das seine Seele prägt. Erinnerung, Hoffnung, Liebe – alles klingt im Ton des Lebens.
    Elira war dort, nur kurz. Doch ihr Lied war anders. Zu still, zu fremd, zu traurig, um sich in die Harmonie der anderen zu fügen.


    Orran – das zerbrochene Königreich

    Ein Riss in der Welt. Linien gesprungen, verzogen, ohne Ordnung. Die Menschen dort schweigen – nicht aus Leere, sondern weil Worte nicht reichen. Doch zwischen den Trümmern blühen Erinnerungen, die nirgends hingehören. Und genau deshalb bleiben.


    Aeyra – die Wildlande

    Wuchernd. Flüsternd. Gefährlich. Die Linien hier sind grün, lebendig, unruhig. Sie ranken durch Wälder, Sümpfe, Berge. Nichts bleibt fest. Alles wächst, alles vergeht.
    Hier wandeln die ersten Stimmen – ohne Namen, ohne Form. Manche führen. Manche verschlingen.
    Aeyra kennt keine Könige, keine Städte. Nur Pfade. Heute da, morgen fort. Wer sie betritt, verliert den Weg – und findet sich selbst.


    Aendora – das Unsichtbare, das alles hält

    Aendora ist kein Ort der Mauern. Es ist eine Welt aus Übergängen, Erinnerungen, Entscheidungen. Eine Welt, die durch ihre Linien spricht – durch das, was unsichtbar bleibt, und doch alles zusammenhält.

    Vielleicht liegt darin ihr Geheimnis:
    Dass keine Mauer, kein Schwert, kein Reich je stärker ist als das, was zwischen uns webt.